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Cherbonhof (42 Fotos)  
 
 
 
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  Arkaden1  
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  Dorfplatz_mit_Arkaden  
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Album zuletzt aktualisiert am 11.09.05 14:20
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DIE ÖKOSIEDLUNG IM BAUGEBIET AM CHERBONHOF IN BAMBERG

Nachbarschaftlich — Umweltbewußt — Landschaftsangepaßt

Die Ökosiedlung (1,4 ha) ist Teil des Neubaugebietes am Cherbonhof (ca. 14 ha) in Bamberg-Gaustadt, das ca. zwei km nordwestlich vom Domplatz in dem topographisch bewegten Gelände zwischen Regnitztal und Michaelsberger Wald liegt. Die Siedlung wurde auf Initiative des Bundes Naturschutz von dem Architekten Theodor Henzler, Beratzhausen als Beispiel einer ganzheitlichen Stadt- entwicklung menschen- und umweltgerecht geplant (siehe Stadt-ökologisches Manifest, linke Tafel). 1981 bildete sich eine Bauherrengemeinschaft [2], deren Mitglieder wegen der langen Planungszeit häufig wechselten. Die Gruppe konnte ihr Anliegen nur in einem mühevollen Planungsprozeß politisch durchsetzen.

Mittlerweile nimmt der Verein „Nachbarschaftliches Wohnen in der Ökosiedlung am Cherbonhof e.V." die gemeinschaftliche Interessen der Bewohner wahr. Die Einfamilienhäuser*, die man als Atriumreihenhäuser bezeichnen kann, wurden von Mitte 1985 bis Mitte 1988 geplant und bezogen. Die 21 altengerechten Mietwohnungen des Evangelischen Siedlungswerkes in Bayern können erst Mitte 1989 bezogen werden. Die Gemeinschaftseinrichtungen, Verkaufspavillons und einige Außenanlagen werden als letzte Vorhaben 1989 fertig.

Das Siedlungskonzept zeichnet sich durch eine abwechslungsreiche Folge von Straßen, Gassen und Plätzen aus. Den privaten möglichst sichtgeschützten Innengärten („Wohnzimmer im Grünen") stehen vielfältige nutzbare Wohnhöfe und Straßenräume gegenüber, die ohne Einzäunung von Vorgärten bis an die Gebäude (Platzwände) heranreichen. Das „Dörfchen" wird durch einen Gürtel von Garagen mit darüber gebauten Nebengebäuden und durch Verkaufspavillons nach Norden zur verkehrsreichen Haupt- erschließungsstraße abgeschirmt. Im Süden sollen noch ein Obstbaum- und Gemüsefeld die Siedlung abschließen und auch zur Selbstversorgung beitragen.

Alle Häuser wurden im Rahmen der Festsetzungen des Bebauungsplanes und der besonderen gestalterischen und nachbarrechtlichen Bedingungen (Teil von [2]) in eigener Verantwortung der Bauherren und ihrer Architekten gestaltet. Bewußt wurde ein Mittelweg zwischen der Monotonie von Bauträgersiedlungen und dem oft gestalterischen Chaos von Baugruppen freistehender Einfamilienhäuser gesteuert. Haus Tarvisstraße 12 zeigt beispielhaft den persönlichen „Spielraum" für ökologisch-baubiologi- sche Lösungen [3].

Im Bundeswettbewerb „Familienwohnung und Familienheim 1983—84" wurde das Projekt für eine hervorragende Lösung mit einer Plakette ausgezeichnet [4].

Ein Besuch der Siedlung kann anschaulich machen, wie weit die früher übliche Mischung der Funktionen Wohnen, Arbeiten, Versorgen, Bildung, Freizeit und Verkehr unterden gegebenen politischen Rahmenbedingungen und dem vorherrschenden Lebensstil umweltgerecht verwirklicht werden kann und wie weit die Anregung des Landesamtes für Denkmalpflege im Bebauungsverfahren, »die Neuplanung an dem historischen Stadtgrundriß des Stadtensemble Bamberg zu orientieren", wenigstens in einem Teilgebiet angemessen gelungen ist. Es stellt sich daher abschließend die allgemeine Frage:

Kann die alte Stadt oder das alte Dorf Schule der neuen Stadt sein?




*
25 Einfamilienwohnungen
3 Einliegerwohnungen
21 Altenmietwohnungen
49 Wohneinheiten




Literaturhinweise:

[1] Bauen mit der Natur - Ausstel- lungskatalog mit Beitrag über die Ökosiedlung. Köln Volksblattverlag 1984.

[2] Gegenseitiger Vertrag zum Bau und Erhalt der Ökosiedlung. 1985.

[3] Manuskript des Bauherren in Vorbereitung für 1989. [4] Schriftenreihe des Bundesbau- ministeriums Nr. 05.016 (1985)

[5] Henzler, Theodor: Das alte Dorf — Schule der neuen Stadt. In: bauen konkret Nr. 21, 1/1975.

Kontakt:
Gerhard Henzler, Tarvisstraße 12, 96049 Bamberg, Tel.: 0951/64163

Wollen Sie auch so wohnen?
Dann wenden Sie sich an obige Anschrift.


Aufsatz aus der Zeitschrift "Der Bayer. Schulgeograph Heft 25, 1989 zum Landesschulgeographentag in Bamberg zum Thema:

Bauliches Erbe - Chance und Verpflichtung

Das freistehende Einfamilienhaus ist eine städtebauliche und soziale Fehlentwicklung.

Es hat folgende persönliche und soziale Nachteile:

  1. Es verbraucht viel Bauland und führt zur Zersiedlung der Landschaft.
  2. Es erfordert viel Erschließungsaufwand.
  3. Es hat viel Außenflächen und verbraucht viel Energie.
  4. Es bietet keine persönliche Intimität, weil das Grundstück von allen Seiten einsehbar ist.
  5. Es führt zu sozialer Isolation („Grüne Witwen“).
  6. Die Bauform ermöglicht keine städtebaulich qualitätvollen Raumgestaltungen (freistehende Einfamilienhäuser sind keine touristischen Ziele).
  7. Das freistehende Einfamilienhaus gibt es erst seit etwa 150 Jahren. Es ist keine altbewährte Bauform und muß wegen seinen negativen sozialen Folgen als Fehlentwicklung bezeichnet werden

Sie haben recht: Das freistehende Einfamilienhaus, ein Haus um das man/frau herumgehen kann, ist das Idealbild der deutschen Bauherren/frauen, auch wenn das Grundstück sehr klein ist. Im Allgemeinen gilt, wer genug Geld hat baut ein freistehendes Einfamilienhaus; wer weniger Geld hat ein Standardreihenhaus; wer noch weniger Finanzmittel hat, kauft oder mietet eine Geschoßwohnung.

„Wenn man Bewohner nach ihren Wohnträumen befragt, bekommt man zwangsläufig ein schizophrenes Bild. ... Es verwundert daher nicht, daß 40% der in „Wohnträume“ (ein Projekt der österreichischen Regierung) befragten städtischen Bewohner als "Wohntraum Nr. 1" das freistehende Einfamilienhaus angeben. Gleichzeitig sind diese Befragten mit der derzeitigen Wohnsituation im verdichteten Wohnbau der Stadt zufrieden. (Zitat aus „politische Ökologie“ Nr.71)

Die Ökosiedlung will eine annehmbare Alternative zu freistehenden Einfamilienhäusern und konventionellen Reihenhäusern für Stadt und Land sein. Die Einfamilienhäuser sind Reihenatriumhäuser oder Innenhofhäuser, die allen sozialen Ansprüchen genügen.Die Grundsätze der Planung und Gestaltung werden bei der Vorstellung des zweiten ökosozialen Siedlungsprojektes Eichhornhof am Anfang der Webseite erläutert und mit Zeichnungen veranschaulicht.

Geschichtliche Entwicklung des Siedlungsprojektes

1977 Anregung für alternative Bebauungspläne durch Bund Naturschutz. Ziel: Verdichtete Bauweise bei hohem individuellem Wohnwert.
1979 Vorstellung eines „Stadtökologischen Manifestes" (Leitbild für die Siedlungsplanungen) in einem Wochenendseminar des Bundes Naturschutz). Die Naturschützer werden als „Systemveränderer“ bezeichnet, was offensichtlich etwas Schlimmes ist.
JAN: 1980 Aufruf zu einer Bürgerinitiative „Alternatives Wohnen" In Bamberg.
Nov. 1980 Vorlage einer alternativen Planung für das Baugebiet „Verlängerte Schellenberger Str." durch die „Bauherrengemeinschaft Bund Naturschutz“. Das Projekt wird vom Stadtrat abgelehnt, aber eine Berücksichtigung im Baugebiet am Cherbonhof in Aussicht gestellt.
März 1981 Absprache über die Planung einer Ökosiedlung im Baugebiet am Cherbonhof mit der Stadt Bamberg in einer bestimmten Lage.
Aug. 1981 Bürgerbeteiligung zum Entwurf des Bebauungsplan am Cherbonhof. Der Planentwurf für die Ökosiedlung wurde entgegen der Absprache weder im Bebauungsplan eingearbeitet noch als Alternative vorgelegt. Die Bürgerinitiative reicht den Entwurf im Zuge der Bürgerbeteiligung erneut ein.
Dez 1981 Projekt der Ökosiedlung wird vom Stadtrat unter besonderen Auflagen grundsätzlich gebilligt.
Jan. 1982 Ausschreibung eines Architektenwettbewerbes zur Entwicklung von verschiedenen Einfamilienhaus-typen in verdichteter Bauweise entsprechend den Vorgaben des Bebauungsplanes.
Dez. 1982 bis Febr. 1983 Die prämierten Wettbewerbsentwürfe werden den Bauinteressierten von der Stadt Bamberg in einer Architektenmesse angeboten.
24.12.1982 bis 06.01.1983 Parallel dazu stellt der Bund Naturschutz den Bebauungsplanentwurf der Bürgerinitiative in einer Ausstellung „Ökologisches Bauen am Cherbonhof" in seinen Geschäftsräumen aus und organisiert ein bundesweit ausgeschriebenes Seminar. Innerhalb von ca. 14 Tagen werden Optionen für alle Bauplätze gebucht. Einige Wettbewerbsarchitekten greifen den Bund Naturschutz wegen der Ökosiedlung unbegründet öffentlich an.
Mai 1983 Ohne plausible Begründung wird das Projekt der Ökosiedlung von der Stadtratsmehrheit abgelehnt. Nach Berichten im Rundfunk und Fernsehen über den unglaublichen Vorgang und Auseinandersetzung mit dem Stadtrat und der Stadtverwaltung wird die Bürgerinitiative zur Neuplanung in einer anderen Lage gezwungen.
Juni 1983 Vorlage einer neuen Planung (Projekt Nr. 2),das vom Stadtrat gebilligt und in den Bebauungsplan eingearbeitet wird.
Juni 1984 Im Bundeswettbewerb 1983-1984 „Familienwohnung und Familienheim“ wird das Projekt für eine hervorragende Lösung mit einer Plakette ausgezeichnet
8. März 1985 Gründung des Vereins „Nachbarschaftliches Wohnen in der Ökosiedlung am Cherbonhof e.V.“
Aug. 1985 Das Evangelische Siedlungwerk, Nürnberg wird als Bewerber für den Bau der Altenmietwohnungen in der Ökosiedlung gewonnen.
1985 Verkauf der Grundstücke oder Erbbaurechte an die Bauwerber.
Ende 1986 Die ersten drei Familienheime in der Ökosiedlung werden bezogen.
Ende 1987 Die restlichen Familienheime in der Ökosiedlung werden fertig.
Sept 1989 Einweihungsfeier für die Altenmietwohnungen des Evangelischen Siedlungswerkes verbunden mit einem großen Siedlungsfest.
1990 Bau der gewerblichen Gebäude am Eingang der Siedlung.
1991 Verpachtung einer Fläche für 15 Nutzgärten am Bamberger Weg von der Stadt Bamberg an den Verein „Nachbarschaftliches Wohnen in der Ökosiedlung am Cherbonhof“.
2007 20 Jahre Ökosiedlung Bamberg